Natura 2000 und Managementpläne

Naturschutz hat immer auch praktische Konsequenzen. Welche, das erfahren von Natura 2000 betroffene Landwir- te aus den sogenannten Managementplänen. Im Ablauf des Natura 2000-Verfah- rens ist die Ausarbeitung und Inkraftset- zung dieser Pläne einer der letzten Um- setzungsschritte. Vorausgegangen sind die nationale Nominierung der Gebiete und die Bestätigung der Gebietsmeldung durch die EU-Kommission.
Die Managementpläne – sie heißen im EU-Jargon bezeichnenderweise auch „Bewirtschaftungspläne“ – sollen sicherstellen, dass der günstige Erhaltungszu- stand der Schutzgebiete bewahrt bleibt bzw. sich ein allfälliger „beschränkter“ Zustand verbessert. Ihr rechtliches Ge- wicht erhalten diese Pläne dadurch, dass sie die Mitgliedstaaten – in Österreich die Landesgesetzgeber – als Verordnung erlassen. Für die Ausarbeitung zuständig sind in Österreich die Naturschutzabteilungen der Bundesländer. Die ECE wendet am Fröhlerhof in Tirol und weiteren Standorten praktische Beispiele für nachhaltige Wirtschaftsweise an.
Bei der Erstellung der Pläne gehen die einzelnen Bundesländer – ähnlich wie bei den Gebietsmeldungen – eigenständig und unterschiedlich vor. Am weitesten vorgewagt hat sich wiederum der niederösterreichische Naturschutz. In Niederösterreich arbeiten bereits neun Planungsbüros an der Erstellung von Managementplänen. Die anderen Bundesländer warten großteils noch ab, welche Gebiete im Endeffekt tatsächlich unter das Natura 2000-Regime fallen werden.

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EU Konsulent Dr. Johannes Ausserladscheiter, Gerichtssachverständiger

Balzende Großtrappen-Hähne bieten ein Naturschauspiel, das nur noch selten zu sehen ist. Die Tiere benötigen große Freiflächen.

Nach übereinstimmenden Aussagen wollen jedoch alle Bundesländer die betroffenen Personen und Gruppen vor Ort in die Erstellung und Fortschreibung der Managementpläne einbeziehen. Das ist auch die Chance für betroffene Landwirte, ihren Standpunkt einzubringen. In der Steiermark und in Oberösterreich haben sich schon Interessensgemeinschaften von Landwirten gebildet.
Pläne haben weitreichende Folgen
Von der Funktion her soll ein Managementplan zunächst den aktuellen Zustand eines Gebietes und die vorkommenden Schutzobjekte beschreiben. Vom Ist-Zustand ausgehend enthält der Plan weiters die erforderlichen Maßnahmen, um ein ebenfalls festgeschriebenes Ziel zu erreichen. Die laufende Erfolgskontrolle („Monitoring“) ist ein weiterer Bestand- teil eines Managementplanes.

 

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Darüber hinaus ist der Managementplan auch die Grundlage zur Beurteilung der Zulässigkeit von Plänen und Projekten innerhalb des Schutzgebietes oder auch in angrenzenden Parzellen. Beispielsweise ist zu überprüfen, ob die Er- richtung von Baulichkeiten oder auch Rad- und Wanderwegen mit den Schutz- zielen verträglich ist.
Sobald ein Managementplan rechtskräftig ist, haben sich auch land- und forstwirtschaftliche Bewirtschaftungs- und Erweiterungsmaßnahmen den Schutzzielen unterzuordnen. Betroffene Betriebe haben möglicherweise ein zusätzliches Bewilligungsverfahren für Bauten von Wirtschaftsgebäuden oder Ställen in Kauf zu nehmen.

Natura 2000, Haimböck, ECE, Umwelt, Gerichtssachverständige, Gutachten

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